Last Updated on Juni 11, 2026 by Bettina Bergmann
Du erfährst, warum Positionierung für sie bedeutet, Hochsensibilität als Kompetenz zu begreifen, wie ihre eigene Über-Mich-Seite zur Resonanzfläche wurde, warum Marketing für sie vorher „laut, blinkend, schnell“ war und wie ein Friseur-Erlebnis ihr zeigte: Das funktioniert wirklich.
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Bettina: Wenn ich mich heute auf deiner Website umschaue, sehe ich eine ziemlich große Klarheit. Das war aber nicht von Anfang an so. Lass uns mal an den gemeinsamen Start zurückkehren.
Was war dein innerer Antrieb, Coach zu werden?
Carolin: Ich glaube, es hat sich entwickelt aus den verschiedenen beruflichen Stationen, die ich durchlaufen habe, die immer beratend waren. In der Uni, wenn Studierende in meine Sprechstunde kamen, oder in der Frühförderung mit Elternberatung.
In diesen beratenden Situationen geht es ja oft darum, Fachinformationen weiterzugeben. Aber wenn es wirklich um die Befindlichkeiten der Personen ging, wenn sie mir etwas Persönliches erzählt haben – da wurde es erst interessant. Ich habe gemerkt: Ich würde gerne weitergehen.
So bin ich dann über eigene Recherche zum Coaching gekommen.
Bettina: Du hast beruflich einige Entscheidungen getroffen, die man durchaus als ziemlich mutig bezeichnen könnte. Du bist sehr konsequent deinem inneren Kompass gefolgt.
Welche Entscheidungen waren das – und was hat dir Mut gegeben?
Carolin: Ich hatte bislang schon viele berufliche Wechsel. Irgendwann gab es immer wieder den Moment, wo ich meinen Mut zusammengenommen habe und dann gesprungen bin. Die krasseste Entscheidung, aber auch die natürlichste, war nach dem Referendariat: Ich komme aus dem Lehramt Sonderpädagogik und habe mich bewusst nicht verbeamten lassen.
Mir wurde die Endlichkeit in diesem Job so bewusst. Ich bin ein Bauchmensch und ich habe gemerkt: Boah, irgendwas stimmt hier gar nicht. Es wird gefühlt immer enger – das geht nicht.
Bettina: Ich erinnere mich, dass du in unserem Erstgespräch schon von konkreten Themen gesprochen hast: Hochsensibilität, Feinfühligkeit, berufliche Neuorientierung. Das klingt schon ziemlich klar.
Wozu brauchtest du trotzdem Begleitung?
Carolin: Es war alles irgendwie offen, was ich ja gut finde. Aber gleichzeitig hat es in dem Moment zu nichts geführt. Ich hatte Richtungen oder Themen, die ich spannend fand, die sich aus meiner Story ergeben haben. Aber:
Wenn mich jemand gefragt hat ‘Was machst du eigentlich?’, hatte ich keine Antwort darauf. Oder ich habe gemerkt, dass ich ins Schwimmen komme.
Das war der Moment, in dem ich dachte: Irgendwas stimmt hier für mich noch nicht. Ich finde diesen Bereich super, aber ich brauche eine Zuspitzung, einen Weg.
Bettina: Mein Credo ist: Positionierung geht von innen nach außen. Der Erfolg im Business fängt bei der Persönlichkeit an. Persönlichkeit ist nicht kopierbar – das ist das Alleinstellungsmerkmal. Du hast dich auf diese Reise begeben.
Wie hast du herausgefunden, was aus deiner Persönlichkeit relevant für die Positionierung sein sollte?
Carolin: Diese Feinfühligkeit oder Sensibilität – das war mir schon bewusst. Ich hatte für mich klar: Ohne das geht es nicht. Das bin so stark ich. Aber wie kann ich es greifbar machen, dass das meine Ausrichtung ist?
Ich habe zurückgeschaut und ein Muster erkannt – beruflicher Abbruch und wieder Neubeginn. Die Frage war: Woran liegt das eigentlich? Da habe ich für mich einen Zusammenhang zwischen dieser Feinfühligkeit, Hochsensibilität und meinem Berufsleben erkannt. Und letztendlich auch diesen Schmerz, der da immer lag.
Für mich war es wichtig, diese beiden Bereiche zusammenzubringen: Genau das ist die Schnittmenge, mit der ich arbeiten möchte.
Bettina: Wir haben intensiv an deiner Positionierung gearbeitet. Dazu gehörte auch die Arbeit an Texten. Du bist ja sehr sprachaffin.
Wie hat sich das auf deine Positionierung ausgewirkt?
Carolin: Zum Beispiel bei der Über-Mich-Seite: Die war am Anfang sehr leer und sehr distanziert. Ich war noch nicht präsent. Durch die intensive Textarbeit mit dir wurde sie dann persönlicher, greifbarer.
Und meine Wortwahl hat auch was mit Hochsensibilität zu tun. Ich achte sehr auf Worte, darauf, was sie auslösen. Ich wollte nicht diese typischen Coach-Formulierungen verwenden, sondern wirklich meine eigene Sprache finden.
Bettina: Das ist interessant: Deine Feinfühligkeit zeigt sich in deiner Sprache. Sie fließt in deine Texte und ist so Resonanzfläche für Menschen, die mit dir arbeiten.
Bettina: Welche konkreten Konsequenzen hat deine eigene Hochsensibilität für deine Positionierung?
Was nützt dir das als Coach – und was sagt das zukünftigen Klientinnen?
Carolin: Ich finde meine Website jetzt sehr klar in der Außenwirkung. Sie ist strukturiert, aber auch von der Sprache her sehr klar. Wenn man sich die Über-Mich-Seite durchliest, weiß man schon ziemlich genau, wie ich ticke. Man kann sich gut reinfühlen: Wer betritt da meinen Raum? Wer sitzt mir da gegenüber?
Ich bin sehr intuitiv, aber eben auch sehr einfühlsam fürs Gegenüber. Ich nehme viel wahr, auch körpersprachlich. Ich kann mich gut ins Gegenüber einfinden und einfühlen. Aber auch ganz pragmatische Sachen: Ich bin sehr zuverlässig, sehr pünktlich – für manche ist das notwendig, für mich auch.
Ich glaube, dass da eine gute Passung entsteht. Manche Leute fühlen sich nicht angesprochen oder werden ausgeschlossen – und das ist auch gut so.
Bettina: Ich erinnere mich an eine schöne Geschichte, als du von deinem neuen Friseur erzählt hast.
Was hast du von deinem Friseur fürs Business gelernt?
Friseurbesuche waren für mich immer anstrengend. Ich hab mich danach immer wie geschreddert gefühlt – dieser Smalltalk ist nicht meins.
Meine jetzige Friseurin habe ich entdeckt, als ich durch die Stadt gelaufen bin. Ihr Laden ist sehr zurückhaltend, sehr leise. Man sieht gar nichts, man bekommt nicht mal Kontaktdaten direkt. Sehr reizarme Umgebung. Irgendwie hat mich das angesprochen.
Bettina: Du hast mir auch erzählt, dass das eine bewusste Entscheidung der Friseurin war, ihren Salon so zu gestalten, z.B. nicht so viele Leute parallel zu bedienen.
Das ist ein schöner Beleg dafür, dass das wirklich stimmt: Mit den Dingen, die man aussendet, zieht man die passenden Menschen an. Ob im Coaching oder im Friseur-Business – offenbar funktioniert das.
Bettina: Persönlichkeit hat ja auch Auswirkungen auf die Art des Marketings.
Wo triffst du Marketing-Entscheidungen, die zu deiner Persönlichkeit passen?
Carolin: Ich habe das Wort anders kennengelernt durch die Zusammenarbeit mit dir. Marketing war für mich vorher eher beängstigend.
Marketing war für mich laut, blinkend, schnell. Da habe ich total die Scheu vor verloren.
Ich kann jetzt sagen: Ich muss nicht alle Kanäle bedienen. Ich kann mich bei LinkedIn auch wieder abmelden, weil ich merke, es ist nicht mein Format. Und es kann auch leise sein – siehe der Friseursalon – und trotzdem eine Wirkung erzielen.
Ich nutze Sprache gerne schriftlich. Newsletter z.B., das fällt mir leichter, das macht mir Spaß. Mir war vorher nicht bewusst, dass es auch so funktionieren kann.
Bettina: Dafür ist es wichtig, den eigenen Sprachstil zu finden und nicht zu früh mit ChatGPT zusammenzuarbeiten. Dann werden zu schnell Dinge ausgespuckt, die gar nicht deiner Persönlichkeit entsprechen.
Bettina: Was sind für dich die wichtigsten Ergebnisse aus unserem gemeinsamen Jahr? Was ist jetzt anders?
Vorher-Nachher: Was hat sich verändert?
Emotional bin ich klarer und sicherer. Wenn mich jetzt jemand fragt ‘Was machst du eigentlich?’, kann ich das ziemlich klar beantworten.
Carolin: Dadurch ist auch große Motivation entstanden. Das ist einfach mein Thema. Ich kann entspannt nach links und rechts gucken und nochmal was anderes andocken – weil ich so eine goldene Linie habe, einen goldenen Faden, an dem ich mich orientieren kann.
Ganz pragmatisch: Marketing ist für mich jetzt viel greifbarer. Ich weiß jetzt, wie Marketing für mich aussehen muss.
Bettina: Viele Coaches stehen an einer ähnlichen Stelle wie du vor einem Jahr. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, um den Weg in die Selbstständigkeit zu gestalten: Blogartikel, YouTube, ChatGPT, Gruppencoaching, 1:1.
Was würdest du anderen raten?
Carolin: Das ist eine ganz individuelle Entscheidung. Ich kann nur für mich sprechen. Als introvertierte, feinfühlige Person: Für mich sind Gruppenangebote nichts, zumindest nicht in dieser Phase. Ich weiß, dass ich mich da tendenziell zurücknehme und unsichtbar werde. Dann kriege ich am Ende nicht das, was ich eigentlich will.
In diesem 1:1 weiß ich, dass ich mich wohl fühle. Ich stehe jetzt im Mittelpunkt, es geht um mich und mein Business. Ich bekomme meinen Raum.
1:1 passt für Menschen, die wissen: „Ich will vorankommen.“
Kannst du ein paar Beispiele nennen, was du in unserer Zusammenarbeit besonders erlebt hast?
Carolin: Die Textarbeit war sehr intensiv. Wir sind da richtig rangegangen und haben das immer weiter verfeinert. Du hast sehr konkret und tief nachgefragt. Wenn ein Satz recht leer war, konnte ich ihn rausnehmen. Oder wenn nur Hülsen da waren, hast du nachgefragt: „Was meinst du damit? Mach es konkreter, mach es fühlbarer.“
Das hat auch was mit sich zeigen, sich trauen zu tun. Da sind wir beim Thema Sichtbarkeit. Das habe ich in der Zeit gelernt. Das übe ich auch immer noch.
Bettina: Am Anfang haben wir von Herausforderungen gesprochen, am Ende hast du erzählt, was du erreicht hast. Schließen wir mit deiner Vision.
Warum tust du, was du tust? Wobei willst du die Welt ein Stückchen besser machen?
Carolin: Du hattest auf deiner Website diesen Satz: „Wie lange willst du dich noch zurückhalten?“ Der hat mich ins Mark getroffen. Der hat gesessen.
Ich will mich nicht mehr zurückhalten. Ich möchte feinfühligen Menschen einen sicheren Raum geben, sich zu entfalten. Ich möchte dem Thema Hochsensibilität Platz in der Welt geben, die ja doch sehr dicht, sehr laut, sehr schnell ist. Und mir ist wichtig: mit dem Fokus auf Beruf.
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Bettina: Ganz herzlichen Dank für die Einblicke in deine Entwicklung, in deine Businessgeschichte. Ich denke, dass die Zuhörerinnen einiges mitnehmen. Viele Menschen sind hochsensibel und haben das vielleicht nicht als Etikett für sich – dennoch fühlen sie so. Du machst da Mut. Ich möchte dich auch weiter ermutigen, dranzubleiben. Du machst richtig gute Arbeit.
Carolin: Ganz lieben Dank.

Carolin Obermeier
Berufliche Neuorientierung für hochsensible Frauen
Entpuppe deine feinfühlige Seele


