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Was sind Glaubenssätze? In 5 Schritten erkennen und überwinden

Was sind Glaubenssätze?
Inhalt

Glaubenssätze erkennen – zwischen Buttercremetorte und Apfelkuchen

Was sind Glaubenssätze? Sicherlich hast du schon mal etwas über das Thema Glaubenssätze gelesen. Dir ist aber immer noch nicht ganz klar, was Glaubenssätze sind? Dann lass uns doch mit einem Beispiel starten.

Stell dir folgende Situation vor: Omas Geburtstag am 23. Dezember – für meine Mutter ein etwas ungünstiger Termin einen Tag vor Heiligabend. Denn: Omas Geburtstag wurde immer bei uns gefeiert. Onkel, Tanten, Großtanten – mit anderen Worten die gesamte Verwandtschaft fand sich zusammen in dem Wohnzimmer unserer 3-Zimmer-Wohnung. Wie damals so üblich zum Kaffee – mit Buttercremetorte, Obstkuchen und sogenanntem festen Kuchen. Meine Mutter hatte tagelang vorher in der Küche gewühlt. Und es schien auch zu schmecken. Sie guckten alle ganz zufrieden. 😊

Nach dem Kaffeetrinken, als alle so richtig mit der Verarbeitung der mächtigen Torten beschäftigt waren, sagte mein Vater zu mir – laut vor allen:

„Bettina, kannst du nicht mal einen flotten Chopin spielen?“

Ich spüre es noch heute; ich erstarrte und mir schoss das Blut ins Gesicht: Oh Gott, „flotten Chopin“ konnte ich ganz und gar nicht. Ich war seit Monaten damit beschäftigt, Etüden zu üben und Fingerübungen zu machen. Außerdem quälte ich mich mit dem ersten Satz einer einfachen Mozart-Sonate. „Flotter Chopin“ – Fehlanzeige.

Ich murmelte mir irgendetwas in den nicht vorhandenen Bart, warum ich jetzt nicht vorspielen konnte und wollte. Und gefühlt nach endlosen Minuten war dieser peinliche Moment vorbei. Der Deckel des nussbaum farbenen Klaviers blieb zu.

Dieser Satz meines Vaters „Kannste nicht mal einen flotten Chopin spielen“ fiel mir als erstes ein, als ich mit etwa 35 an einem Coaching-Wochenende teilnahm. Es ging darum, was uns in unserer Kindheit geprägt hat, mit welchen Sätzen wir so aufgewachsen sind, was uns heute leitet in unserem Tun.

„Kannste nicht mal einen flotten Chopin spielen?“

Warum fiel mir genau dieser Satz ein?

Weil das Gefühl, das er ausgelöst hat, unglaublich stark war: Es war mir unangenehm.

Ich konnte etwas nicht, was mein Vater von mir erwartet hatte. Ich habe versagt.

Und hatte auf jeden Fall das Gefühl:

„Ich bin nicht gut genug.“ Den flotten Chopin konnte ich nämlich nicht spielen.

Nun musst du wissen, dass mein Vater der liebste und beste Vater war, den man sich vorstellen kann. Er hat sich dabei nichts Böses gedacht. Er hat vermutlich einfach gar nichts gedacht und vor allem nicht, was er damit auslösen würde bei mir. Es war eher der Gedanken: „Ach, meine Tochter hat Klavierunterricht, ich bin stolz auf sie. Soll sie doch mal zeigen, was sie kann und uns hier mal ein bisschen unterhalten.“

Das ging aber eben nach hinten los. Ich war damals so 13 oder 14 und mir war das einfach nur peinlich. Ich hatte das Gefühl zu versagen, weil ich nicht „gut genug“ war: „nicht gut genug“, Chopin zu spielen, und damit „nicht gut genug“ für meinen Vater.

Wenn so ein Gefühl sich einbrennt und über viele Jahre lebendig bleibt, dann spricht mal von einem Glaubenssatz.

Ich habe lange geglaubt „Ich bin nicht gut genug“ – obwohl ich erfolgreich war, Prüfungen mit Bestnote gemacht habe, viele Menschen mich gelobt und anerkannt haben.

Und genau um solche „Glaubenssätze“ geht es heute in diesem Blogartikel:

Du bekommst Klarheit zu folgenden Fragen:

  • Was sind Glaubenssätze? Wie entstehen sie? Welche Funktion habe sie im Leben?
  • Wie lassen sich Glaubenssätze entdecken und hinterfragen?
  • Wie kann ich den Glauben, nicht gut genug zu sein, überwinden?

Was sind Glaubenssätze?

So banal, wie es sich anhört: Glaubenssätze ist zunächst einmal Sätze, die man glaubt – und zwar unabhängig davon, ob sie wahr sind. Du wirst noch merken, wie entscheidend dieser kleine feine Unterschied ist. Was glaubst du? Was ist wahr?

Wir glauben etwas und versuchen das mit Erfahrungen immer wieder zu bestätigen. Wenn ich den Glaubenssatz habe „ich bin nicht gut genug“ und bekomme dann den Job nicht, für den ich mich beworben habe – zack, die Bestätigung: Ich bin nicht gut genug. Sonst hätte ich den Job ja wohl bekommen. Ob sich die Personalabteilung aber insgeheim schon vorher auf eine andere Bewerberin eingeschossen hat oder mir nur eine ganz bestimmte Kompetenz fehlt – das alles spielt dann keine Rolle mehr. Meine Erfahrung zeigt mir: Ich bin nicht gut genug.

Vielleicht auch zusätzlich: Ich kann mich nicht gut verkaufen. Ich bin nicht attraktiv genug. Es entsteht ein System von mehreren Glaubenssätzen, die sich gegenseitig bestätigen (belief system).

Wir haben alle bestimmte Annahmen über uns selbst: manche hilfreich, andere hinderlich.

Solche Sätze haben uns das Leben und die Welt erklärt – zu einer Zeit, als wir noch keine besseren Erklärungen hatten.

Nehmen wir noch mal den Satz aus meiner Kindheit: Kannst nicht mal einen flotten Chopin spielen? Als erwachsene Frau weiß ich, dass mein Vater diesen Satz vermutlich eher sogar mit Stolz auf seine Tochter gesagt hat.

Auf der Ebene konnte ich aber als Kind nicht reagieren. So nach dem Motto: „Lieber Papa, Chopin wäre jetzt sicher klasse. Ich kann verstehen, dass ich das Publikum damit begeistern soll, aber ich bin gerade bei Mozart.“ Das wäre selbstbewusst und ohne unangenehme Gefühle.

Mein Interpretationsmuster als Kind aber: „Ich kann genau das gerade nicht, was von mir erwartet wird.“ Ich bin nicht gut genug.

Anderes Beispiel: Eltern müssen viel und lange arbeiten. Können sich nicht intensiv um ihre Kinder kümmern. Ich hatte gerade neulich eine Frau im Coaching, die sich als „Schlüsselkind“ bezeichnete. Je nach Alter sind Kinder noch nicht in der Lage, genau zu analysieren, warum sich die Eltern ihnen nicht so ausgiebig zuwenden, wie die Kinder es brauchen oder wünschen.

Sie entwickeln schnell den Glauben: „Ich bin nicht wichtig.“ Das ist der für sie einzig sinnvolle Erklärungsansatz.

Und so entstehen tief verankerte Annahmen, mit denen wir ohne Überprüfung jahrelang leben.

Diese Annahmen bzw. Glaubenssätze haben Macht über unser Leben. Sie verändern die Wahrnehmung und damit unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir als Erwachsene diesen alten Kompass überprüfen und dann die Richtung neu vorgeben: so wie wir es wollen, selbstbestimmt.

Dann entscheiden wir bewusst: Was davon wollen wir beibehalten? Wovon wollen wir uns verabschieden?

Glaubenssätze erkennen und hinterfragen – Warum reagierst du so und nicht anders?

Wenn du etwas über dich erfahren willst, brauchst du einen Spiegel – ein Gegenüber.

Was machen bestimmt Blicke, Mimik, Gestik oder das Verhalten anderer mit dir?

Ich kenne das zum Beispiel aus Schilderungen der Referendare bei Unterrichtsbesuchen:

Sobald eine Beobachterin, die hinten sitzt, die Stirn kraus zieht, beziehen sie das sofort auf sich: Was habe ich falsch gemacht? War der Impuls gerade ungünstig? Ist meine Reaktion unangemessen? Selbstzweifel ohne Ende. Vielleicht hat die Beobachterin aber einfach schlecht geschlafen, der Nachbar was Unverständliches gesagt oder der neue Schuh drückt.

Jetzt ist Analyse wichtig: Ich merke, dass ich auf Stirnrunzeln reagiere. Ich reagiere mit Verunsicherung auf Stirnrunzeln. Ich möchte mich von der Mimik der Beobachterin unabhängig machen. Ich vertraue darauf, dass ich eine gute Stunde geplant habe.

Du merkst: Es braucht einen sehr genauen Blick auf die Situation, um sie zu analysieren und Alternativen zu entwickeln bzw. nachhaltig an dem Glaubenssatz „Ich schaff’s nicht“ zu arbeiten. Den haben nämlich viele Referendare in dieser Ausbildungsphase.

Kennst du das auch, dass du irgendeinen Gesichtsausdruck sofort auf dich beziehst? Habe ich was falsch gemacht? Habe ich hier einen Flecken? Stimmt was nicht?

Glaubenssätze erkennen und hinterfragen – Was ist funktional, was ist hinderlich?

Du siehst: Glaubenssätze zu entdecken und zu hinterfragen, ist komplex – es ist ein Prozess, der oft lange dauert. Vor allem der letzte Schritt: das Loslassen von Glaubenssätzen ist nicht immer leicht, aber auf jeden Fall befreiend.

Du befreist dich von etwas, was dich von außen gesteuert hat und dadurch übernimmst du wieder selbst die Verantwortung für dein Handeln.

Wenn du deinen Glaubenssatz (oder auch mehrere) entdeckt hast, ist es wichtig, ihn von allen Seiten genau zu betrachten. Er gehört nämlich nicht sofort in die Kategorie: Muss weg.

Anteile sind auch nützlich. Bleiben wir bei „Ich bin nicht gut genug.“ Viele Frauen mit diesem Satz, sind sehr engagiert, weil sie immer Bestform liefern wollen. Im Beruf sind viele genau deshalb sehr erfolgreich. Und das ist die positive Seite. Das heißt, ein Teil dieses Glaubenssatzes kann durchaus funktional sein.

Vielleicht in dem Sinne: Die Präsentation ist noch nicht strukturiert genug. Oder: Die Bewerbung ist noch nicht gut genug geschrieben. Also: Funktional bezogen auf einzelne Situationen und einzelne Verhaltensweisen, aber nicht auf das ganze „ICH“.

Dysfunktional wird es dann, wenn ich keine Entscheidungsfreiheit mehr habe. Angenommen: Ich habe am Nachmittag im Büro vergessen, meinem Chef Ergebnisse auf den Tisch zu legen, die er für eine Sitzung am nächsten Tag um 9 Uhr braucht.

„War ja klar, dass dir das passiert.“ „Du bist aber auch echt zu blöd.“ „Immer passiert dir so was.“

Frauen mit diesen inneren Stimmen und dem Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug“ kriegen nach Feierabend Magenschmerzen, schlafen schlecht, schreiben schon mal im Vorfeld eine Entschuldigungsmail, bevor sie am nächsten Tag frühzeitig das Versäumte nachholen. Der Chef ist zufrieden. Er hatte noch gar nichts gemerkt.

Andere innere Stimmen könnten sein: „Mist, dass das passiert ist, aber ich kann ja kurz schreiben, dass ich morgen etwas eher komme.“ Oder: „Ich hole das morgen früh nach. So schlimm ist das auch jetzt nicht.“ „Nächstes Mal machst du dir eine Notiz im Kalender.“

Kurze Frage an dich: Welche innere Stimme hörst du lauter? Die erste, die dich so richtig schon niedermacht oder die zweite, die eher sachlich und zielorientiert spricht?

Negative Glaubenssätze ändern

Neue positive Gedanken finden: Affirmationen

Angenommen du gehörst auch zu den Frauen, die dieses ewige “Ich bin nicht gut genug” mit sich herumschleppen:

Wie wäre es, wenn du mit folgendem Satz leben würdest: „Ich gebe mein Bestes. Und das ist gut genug.“ Jetzt kannst du natürlich fragen: Was ist „mein Bestes“? Das ist sehr leicht zu beantworten: die Summe deiner Fähigkeiten, Stärken, Kompetenzen. Deine Eigenarten, dein Charakter – kurz: alles, was dich ausmacht.

Und genau das macht dich besonders. Du bist einzigartig und so, wie du bist, „gut genug“.

Ich weiß, das sagt sich so einfach. Aber ich weiß auch, dass du genau dieses Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen trainieren kannst.

Auch für andere negative Glaubenssätze kannst du eine positive Umformulierung finden. Schreib dir deine stärkenden Sätze auf. Klebe sie an den Spiegel und sprich sie mehrfach am Tag laut aus. Das kommt dir jetzt vielleicht albern vor – es ist aber hoch wirksam, weil dein Gehirn jedes Mal den positiven Gedanken speichert, sodass er sich immer tiefern verankern kann.

Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, wie du öfter positive Gefühle in dein Leben holen kannst, lies meinen Blog-Artikel “Positive Gefühle – wie du es schaffst, dass es dir richtig gut geht”.

Neue Erfahrungen machen

Sagst du dir “Ich bin nicht sportlich” oder “Ich kann nicht singen”? Hindern dich diese Glaubenssätze daran zu walken und in einen Chor zu gehen? Dann probier’s doch einfach mal aus. Trau dich so zu handeln, wie eine sportliche oder musikalische Frau es tun würde. Plane deine ganz persönliche Challenge und schau, was passiert. Du wirst spannende Erfahrungen machen.

Neue Ziele visualisieren: Vision Board

Schaffe dir ein neues inneres Bild von deinem positiven Glaubenssatz. Wenn du z.B. bisher immer gedacht hast “Die Stelle bekomme ich sowieso nicht”. Dann stell dir jetzt vor, wie du mit stolzgeschwellter Brust deinem neuen Chef die Hand schüttelst – in der anderen hältst du deinen neuen Arbeitsvertrag.

Such die für dieses Gefühl passende Bilder, Symbole oder Begriffe und gestalte dein persönliches Vision Board.

Fixed mindset vs. Growth mindset

Du hast es in der Hand, wie erfolgreich du bist mit deiner persönlichen Entwicklung. Denn: Entscheidend ist, ob du daran glaubst, dass du etwas verändern kannst in deinem Leben oder nicht. Wenn du dein Mindset auf “Growth” richtest, wird dich dein Gehirn auch nicht enttäuschen. Du wirst Wachstum erleben, weil du dich darauf einlässt.

Kennst du den Spruch?

„Egal ob Du glaubst, dass Du etwas kannst oder es nicht kannst, Du hast Recht.“ Henry Ford

Dann glaub doch lieber, dass du etwas kannst, oder? 😊

Mit dem richtigen Mindset kannst du deine Resilienz stärken und widerstandsfähiger werden: “Resilienz stärken und warum es viele Frauen nicht schaffen, ihren Stress nachhaltig zu bekämpfen”.

Negative Glaubenssätze auflösen mit professionellem Coaching

Manchmal hilft Unterstützung von außen, um den berühmten blinden Fleck zu finden. Gerade das Hinterfragen und Umformulieren von Glaubenssätzen kann mit einem Coach zusammen leichter und auch schneller umzusetzen sein.

Fazit

5 Schritte zur Überwindung deiner negativen Glaubenssätze:

  1. Glaubenssätze erkennen
  2. bewusst machen, in welcher Situation sie dich begrenzen
  3. hinterfragen, ob das, was du glaubst, wirklich wahr ist
  4. Glaubenssätze ins Positive umformulieren
  5. üben: Affirmationen schreiben, sprechen, lesen

Jede Veränderung braucht Zeit. Deshalb zum Schluss drei Tipps:

  • Sei geduldig mit dir.
  • Plane kleine Schritte.
  • Lass dir Zeit.
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